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Geförderte Projekte 2022

JUMP_START: Junge Darmkrebspatient:innen medizinisch und psychosozial optimal und integriert versorgen - eine Pilotstudie zur Beschreibung eines interdisziplinären Versorgungskonzepts

Dr. Till Johannes Bugaj, Prof. Dr. Bruno Köhler 

In den vergangenen 20 Jahren ist der Anteil junger Darmkrebspatient:innen unter fünfzig Jahren stark gestiegen. Die Diagnose trifft die Betroffenen oft mitten im Leben und bringt besondere Herausforderungen mit sich. In der medizinischen Behandlung können beispielsweise Themen wie Familienplanung wichtig werden. Auch die psychosozialen Bedürfnisse von jungen Patient:innenunterscheiden sich teilweise stark von älteren. Trotzdem gibt es kaum altersspezifische Versorgungsangebote.

Das Projekt JUMP_START (Junge Darmkrebs Patient:innen multiprofessionell betreut) soll diese Lücke schließen. Es handelt sich um eine nicht-interventionelle mixed-methods Register-/Fragebogen-/Interview-Studie, die am NCT Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Lebensqualität und Patient-reported outcome der AIO (AIO-LQ-0323ass) initiiert wurde. Das Studienkonzept entstand in einem multiprofessionellen Team mit intensiver Patientenbeteiligung („Research Partners“). Die Patientenperspektive wurde gemeinsam mit der Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs entwickelt. 

Mit einem innovativen Ansatz sollen die medizinischen und psychosozialen Versorgungsnetzwerke junger Patient:innen analysiert und die Unterschiede zu älteren Betroffenen herausgearbeitet werden. Außerdem soll untersucht werden, welche Angebote am NCT Heidelberg für das junge Patient:innenkollektiv von besonderer Bedeutung sind. Erkenntnisse aus diesen Bedarfserhebungen sollen dazu genutzt werden, die Versorgung junger Darmkrebspatient:innen am NCT Heidelberg sukzessive zu verbessern. 

Das virtuelle Zuhause: Personalisierte Therapie von Patient:innen in der palliativen Onkologie mittels Virtueller Realität

Dr. med. Christina Gerlach, Prof. Dr. Cornelia Wrzus, Prof. Dr. Bernd Alt-Epping 

Was wäre, wenn schwerkranken Patient:innen Klinikaufenthalte erleichtert werden könnte, indem man ihre vertraute Umgebung ins Krankenzimmer holt? Virtuelle Realität (VR) hat das Potenzial dazu. Studien haben bereits nachgewiesen, dass Krebspatient:innen, die mit einem VR-Headset Naturaufnahmen sehen, weniger Schmerzen und ein höheres Wohlbefinden haben. 

Im Projekt soll nun erstmals untersucht werden, ob personalisierte 360-Grad-Videos vom eigenen Zuhause oder von Angehörigen einen zusätzlichen Nutzen bringen. Patient:innen der Onkologie und der Palliativmedizin sollen während ihrer stationären Behandlung individuelle VR-Inhalte nutzen. So sollen Symptome gelindert und die Behandlungszufriedenheit verbessert werden. 

Das Projekt ist in drei Teile gegliedert: Zunächst werden Patient:innen, Angehörige und der Patientenbeirat des NCT Heidelberg befragt. Danach erhalten Patient:innen das Angebot, VR-Videos ihre Wahl zu nutzen; die Effekte werden mit validierten Instrumenten gemessen. Am Ende werden die Ergebnisse der Pilotstudie für die Planung des weiteren Projektfortgangs sowie die Implementierung genutzt.   

Akupressurringe zur Aushändigung an Patient:innen mit bestehender oder drohender, Chemotherapie induzierter Polyneuropathie (CIPN) in den Fingern

Marion Krüger 

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der Nerven geschädigt werden. An den Händen und Füßen zählt Polyneuropathie zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen in den Fingern führen zu Einschränkungen im Alltag. Patient:innen können beispielsweise Schwierigkeiten beim Knöpfen eines Hemdes, Gemüse scheiden oder andere handwerklichen Tätigkeiten haben. Auch die Therapie selbst kann durch ausgeprägte Beschwerden beeinträchtigt werden, etwa durch Dosisanpassungen und Therapieverlängerungen.

Ein einfaches Hilfsmittel sind Akupressurringe. Ein sanfter Druck stimuliert die peripheren Nerven im Finger und fördert die Durchblutung. Bei einer frühzeitigen Anwendung kann die Gefahr reduziert werden, dass eine Polyneuropathie entsteht oder sich verschlimmert. Gleichzeitig wirkt der Ring stressmindert und kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern. 

Das Projektteam wird Akupressurringe künftig frühzeitig und kostenlos in den Tageskliniken an Patient:innen mit erhöhtem Risiko ausgeben. Ein begleitender Rückmeldebogen soll die Wirkungsweise evaluieren. 

Entwicklung eines bioinformatischen Algorithmus zur Therapieoptimierung von Patientinnen mit Granulosazelltumoren

PD Dr. rer. nat. Dr. med. Sabine Heublein, Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Dr. rer. nat. Mario Hlevnjak

Granulosazelltumoren (GCTs) sind seltene Tumoren des Eierstocks. Bei rund 45 Prozent der Patientinnen kommt es nach der Ersterkrankung zu einem Rückfall in Form von Metastasen. Um dies zu verhindern, wird häufig eine Chemotherapie eingesetzt. Bisher ist jedoch unklar, bei welchen Patientinnen diese Behandlung wirklich das Rückfallrisiko senkt und wann sie lediglich eine zusätzliche Belastung darstellt. Auch ist kaum erforscht, wann eine Hormontherapie eine wirksame Alternative sein kann. 

In diesem Projekt sollen Datensätze aus GCT-Gewebe mithilfe moderner biostatistischer Methoden ausgewertet werden. Durch den Vergleich bestimmter Signalwege und Genaktivitätsmuster soll ein Algorithmus entwickelt werden, der vorhersagt, welche Patientinnen von einer Chemo- oder Hormontherapie profitieren. Eine ähnliche Methode wird bereits erfolgreich bei Brustkrebs angewendet. Das Projekt legt die Grundlage, um diese innovative Diagnostik künftig auch für seltene Tumoren am NCT Heidelberg nutzbar zu machen und so gezieltere, schonendere Behandlungen zu ermöglichen.

Untersuchung der DNA-Methylierung als Instrument zur Therapieoptimierung bei Gallenwegstumoren

PD Dr. Daniel Lipka, PD Dr. Bruno Köhler

Gallenwegstumoren sind seltene, aber sehr aggressive Krebserkrankungen, die häufig erst spät erkannt werden und oft nicht auf Chemotherapien ansprechen. Da sich die Ursachen und molekularen Merkmale dieser Tumoren stark unterscheiden, ist eine genaue Analyse jedes einzelnen Tumors entscheidend, um gezielte und möglichst nebenwirkungsarme Therapien zu entwickeln. 

In diesem Projekt wird untersucht, welche Rolle die DNA-Methylierung – eine wichtige Form der Genregulation – bei Gallenwegstumoren spielt. Durch die Analyse der Methylierungsmuster sollen neue Biomarker gefunden werden, die eine frühzeitige Einschätzung der Prognose und des Therapieansprechens ermöglichen. Damit könnten Patient:innen mit guter beziehungsweise schlechter Prognose frühzeitig erkannt und Therapien individuell angepasst werden. Auf Basis einer bereits gut dokumentierten Patientengruppe sollen die identifizierten Biomarker im nächsten Schritt klinisch überprüft werden. Langfristig könnte die Methylierungsanalyse im molekularen Tumorboard am NCT Heidelberg zu individualisierten Therapieentscheidungen herangezogen werden.

Molekulare Analysen zirkulierender Tumorzellen (CTCs) zur frühzeitigen Vorhersage des Therapieansprechens bei fortgeschrittenen kolorektalen Karzinomen

Dr. Mark Hartmann, PD Dr. Daniel Lipka, PD Dr. Bruno Köhler, PD Dr. Tobias Boch

Zirkulierende Tumorzellen (CTCs) sind Krebszellen, die sich vom ursprünglichen Tumor lösen und über das Blut im Körper verbreiten. Sie können Metastasen bilden und stehen in engem Zusammenhang mit dem Verlauf der Erkrankung sowie dem Ansprechen auf eine Therapie.

In diesem Pilotprojekt werden CTCs aus dem Blut von Patient:innen mit fortgeschrittenem Darmkrebs isoliert und mit innovativen Einzelzellanalysen untersucht. Ziel ist es, neue Biomarker zu identifizieren, um bereits zum Zeitpunkt der Diagnose oder frühzeitig während der Behandlung einschätzen zu können, wie die Therapie ansprechen wird. So lassen sich künftig unwirksame, aber belastende Therapien vermeiden und Behandlungen individuell anpassen. Durch diese neuartige Diagnostik wird es möglich, genetische und molekulare Merkmale einzelner Tumorzellen genau zu erfassen. Das Projekt schafft damit die Grundlage, um vielversprechende prognostische und prädiktive Biomarker in die klinische Anwendung zu übertragen und die personalisierte Onkologie weiter zu stärken.