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vom 23.04.2026

Innovative Ideen in Forschung überführen: Neue Fellows am NCT Heidelberg

Das Clinical Translational Research Fellowship am NCT Heidelberg richtet sich an Nachwuchsärztinnen und -ärzte sowie medizinische Wissenschaftler:innen mit innovativen Studienideen. Das Programm bietet ihnen geschützte Zeit, um eigenen Studienkonzepte weiterzuentwickeln.

Im Verlauf des Fellowship schärfen die Teilnehmenden ihre Ideen durch strukturierte Begleitung, Feedback von Expert:innen und gezielte Seminare zu zentralen Themen wie Patientenbeteiligung. Gleichzeitig profitieren sie vom interdisziplinären Austausch und neuen Perspektiven.

Mit der Förderung der nächsten Generation von klinischen und medizinischen Wissenschafler:innen zielt darauf ab, vielversprechende Ideen in wirkungsvolle klinische Studien zu überführen – und letztlich die Versorgung von Patient:innen zu verbessern. Der neue Fellowship-Jahrgang bringt unterschiedliche Perspektiven aus Radioonkologie, Immunonkologie, Urologie und Viszeralchirurgie zusammen.

Die fünf Fellows im Porträt

Jan-Hendrik Bolten: Präzisere Strahlentherapie in weniger Sitzungen

Jan-Hendrik Bolten, Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), arbeitet an neuen Bestrahlungskonzepten für das lokal begrenzte Prostatakarzinom. Ziel seines Projekts „ENDLESS SMILE“ ist es, ultrahypofraktionierte Therapien weiterzuentwickeln – also Behandlungen mit sehr wenigen, dafür höher dosierten Sitzungen –, um die Therapiedauer deutlich zu verkürzen. Bislang erfordern solche Konzepte in der Regel, dass Goldmarker in die Prostata implantiert werden. Künftig könnten diese Marker durch eine täglich angepasste Strahlentherapie auf einem Linearbeschleuniger mit integrierter MRT (Magnetresonanztomografie) überflüssig werden. Die hochauflösenden MRT-Bilder ermöglichen es, die Bestrahlung präzise an die individuelle Anatomie anzupassen, wodurch Nebenwirkungen reduziert und der Patientenkomfort verbessert werden sollen.

Jan-Hendrik Bolten erhofft sich vom Fellowship, das Studienkonzept final ausarbeiten zu können und durch interdisziplinären Austausch neue Impulse für die klinische Umsetzung zu gewinnen. Er sagt: „Dort, wo unterschiedliche Fachperspektiven zusammenkommen, entstehen aus meiner Sicht die innovativsten und zugleich praxisrelevanten Lösungen.“

Fabian Falkenbach: Patientenerleben bei der Prostatabiopsie verbessern

Fabian Falkenbach, Urologische Klinik, UKHD, widmet sich der Verbesserung des Patientenerlebens bei der Prostatabiopsie. Die Untersuchung ist für die Diagnose zentral, wird jedoch häufig als belastend empfunden. In der geplanten PEACE-PB-Studie untersucht er, ob eine ergänzende Mind-Body-Intervention – etwa durch gezielte Vorbereitung, Atem- und Entspannungstechniken – Schmerzen und Angst während des Eingriffs reduzieren kann. Dies wird bei transperinealen Prostatabiopsien unter Lokalanästhesie untersucht, indem systematisch erfasst wird, wie Patient:innen den Eingriff wahrnehmen. Ziel der Studie ist es, die Untersuchung besser verträglich zu machen und dadurch auch die Akzeptanz von Früherkennung und aktiver Überwachung zu erhöhen. Fabian Falkenbach möchte mit seinem Projekt einen Ansatz entwickeln, der sich gut in den klinischen Alltag integrieren lässt. 

Durch das Fellowship, das er in der Abteilung Klinische Epidemiologie der Krebsfrüherkennung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) absolvieren wird, möchte er die Grundlage für eine erfolgreiche Studie schaffen und seine Fähigkeiten als Clinical Trialist weiter ausbauen. Gleichzeitig betont er: „Forschung – und auch das Leben – ist immer Teamarbeit; ohne die Unterstützung meiner Frau wäre vieles nicht möglich.“

Laila Jötten: Das Mikrobiom als Ansatzpunkt für neue Therapien beim Pankreaskarzinom

Laila Jötten, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, UKHD, untersucht in der Viszeralchirurgie den Einfluss des Tumormikrobioms auf den Behandlungserfolg beim Pankreaskarzinom. Bei dieser Krebsart ist eine Operation häufig die einzige Chance auf Heilung. Entscheidend ist dabei, wie gut die Erkrankung auf eine vorgelagerte Therapie anspricht. Präklinische und erste klinische Daten deuten darauf hin, dass bestimmte Bakterien die Wirksamkeit von Chemotherapien beeinträchtigen können, während antibiotische Therapien das Ansprechen verbessern könnten. Ihr Projekt zielt darauf ab, diese Zusammenhänge systematisch zu analysieren und ihre klinische Relevanz besser zu verstehen.

Im Rahmen des Fellowship plant Laila Jötten eine multizentrische Studie mit translationalem Ansatz, die auch molekulare Analysen einbezieht. Langfristig soll geklärt werden, ob sich das Mikrobiom als therapeutischer Ansatzpunkt nutzen lässt. Mit dem Fellowship möchte sie insbesondere die komplexe Studienplanung voranbringen. Sie sagt: „Mich begeistert vor allem die Weiterentwicklung von Krebstherapien und das breite Spektrum an Möglichkeiten, dies zu verwirklichen.“

Paulina Schad: Immuntherapien bei Kindern gezielter wirksam machen

Paulina Schad, Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie, UKHD, und Hopp Kindertumorzentrum Heidelberg, arbeitet an einem neuen Therapieansatz für Kinder mit Krebserkrankungen. Im Mittelpunkt steht ein Fusionsprotein, das gezielt in das Tumormikromilieu eingreift und die Wirksamkeit moderner Immuntherapien wie CAR-T-Zellen verbessern soll. Hintergrund ist, dass nicht alle Patient:innen gleichermaßen auf diese Therapien ansprechen.

Das Projekt soll die Voraussetzungen für ein besseres Ansprechen auf Immuntherapien schaffen und deren Einsatz für mehr Patient:innen ermöglichen. Im Rahmen ihres Fellowship führt Paulina Schad umfassende Untersuchungen zur Sicherheit und Verträglichkeit des neuen Ansatzes durch, um die Grundlage für die Weiterentwicklung des klinischen Studiendesigns zu legen.

Sie sagt: „Das Fellowship schafft den notwendigen geschützten Rahmen, um ein Studienkonzept fundiert und strukturiert zu entwickeln.“ Gleichzeitig möchte sie ihre Fähigkeiten in der eigenständigen Studienplanung weiter ausbauen und vom interdisziplinären Austausch profitieren.

Philipp Schröter: Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren individueller gestalten

Philipp Schröter, Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, UKHD, untersucht, wie sich Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren präziser auf individuelle Patient:innen abstimmen lässt. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Bestrahlungsvolumina am Hals sicher reduziert werden können, um Nebenwirkungen wie Schluckbeschwerden, Mundtrockenheit und Immunsuppression zu minimieren, ohne die Tumorkontrolle zu beeinträchtigen.

Die Bestrahlung bei Kopf-Hals-Tumoren umfasst häufig große Gewebeareale. Da moderne Behandlungskonzepte zunehmend Immuntherapien neben Operation und Bestrahlung einschließen, geht Philipp Schröter der Frage nach, ob sich bestimmte Kopf-Hals-Bereiche selektiver behandeln lassen, um das Zusammenwirken mit Systemtherapien zu verbessern. Dazu kombiniert er die Analyse klinischer Daten mit translationalen Ansätzen, bei denen die Immunantworten der Patient:innen im Blut während und nach der Behandlung verfolgt werden. 

Das Programm ermöglicht es ihm, diese Ansätze weiterzuentwickeln und in eine prospektive klinische Studie zu überführen, um eine evidenzbasierte und patientenzentrierte Anpassung der Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren zu unterstützen. Er sagt: „Viele relevante Fragen entstehen direkt aus der Versorgung von Patientinnen und Patienten und lassen sich nur interdisziplinär sinnvoll bearbeiten.“