vom 25.10.2017

Brustkrebsmonat Oktober – Fünf Fragen an…Prof. Pauline Wimberger, Direktorin am NCT Dresden sowie Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Dresden

Prof. Pauline Wimberger ist Direktorin am NCT Dresden sowie Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Dresden.
 

Der Brustkrebsmonat Oktober soll die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Brustkrebs in das öffentliche Bewusstsein rücken. Eine Tumorerkrankung erzeugt bei Patienten und Patientinnen aber auch Angehörigen häufig Angst und Sorgen. Zudem stellen sich viele Fragen, die Therapie, Bewältigung der Krankheit oder auch neue Forschungsansätze betreffen. Anlässlich des Brustkrebsmonats Oktober haben verschiedene Experten fünf Fragen rund um das Thema Brustkrebs beantworten. Alle Beiträge werden im Lauf des Monats auf der NCT Website veröffentlicht.

Ausgewanderte Brustkrebszellen im Visier: Am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden liegt ein besonderes Augenmerk auf Krebszellen, die sich vom eigentlichen Tumor in der Brust entfernt haben. Betroffene Patientinnen erhalten eine individualisierte Therapie, die künftig durch aktuelle Forschungsprojekte weiter verbessert werden könnte. Wir sprachen mit Prof. Pauline Wimberger, Direktorin am NCT Dresden sowie Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Dresden.

Was sind ausgeschwemmte Tumorzellen und wieso verdienen sie besondere Beachtung?
Ausgeschwemmte Tumorzellen, wir Mediziner sprechen auch von disseminierten Tumorzellen, sind Zellen, die sich vom eigentlichen Tumor in der Brust gelöst haben und ins Knochenmark gewandert sind. Solche Zellen finden sich bei 20 bis 30 Prozent der Brustkrebspatientinnen, bei denen die Erkrankung ohne Nachweis von Metastasen erstmals festgestellt wurde. Zu sehen sind sie nur unter einem speziellen Mikroskop als kleine rote Punkte. Disseminierte Tumorzellen stellen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Metastasen dar.

Wie bekämpfen Sie ausgeschwemmte Tumorzellen?
Am Dresdner Uniklinikum werden diese abtrünnigen Zellen in besonderem Maße behandelt und erforscht. Als eines von wenigen Zentren deutschlandweit bieten wir unseren Patientinnen routinemäßig eine Untersuchung auf ausgeschwemmte Tumorzellen an. Werden diese Zellen nachgewiesen, erhalten die Mammakarzinom-Patientinnen zusätzlich zur Standardtherapie eine zweijährige Therapie mit „knochenstärkenden“ Medikamenten, sogenannten Bisphosphonaten. Um das Knochenmark auf disseminierte Zellen untersuchen zu können, wird den Krebspatientinnen während der operativen Entfernung des Tumors in der Brust Knochenmark aus beiden Beckenkämmen entnommen.

Was bringt die Therapie mit Bisphosphonaten?
Bisphosphonate hemmen den Knochenabbau bei Nachweis von Knochenmetastasen  und werden zudem als klassische Osteoporose-Medikamente eingesetzt.  Sie können aber auch ausgeschwemmte Tumorzellen im Knochenmark beseitigen. Bereits in meiner Zeit am Uniklinikum Essen habe ich Studien zu dieser noch relativ neuen Therapieoption initiiert und mitbetreut. Beim Mammakarzinom konnten wir zeigen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patientinnen mit disseminierten Tumorzellen bei einer Behandlung mit Bisphosphonaten genauso gut ist wie die der Patientinnen, bei denen keine ausgeschwemmten Tumorzellen nachgewiesen wurden. Durch dieses zusätzliche Untersuchungs- und Behandlungsangebot können wir unseren Patientinnen in Dresden eine zielgerichtete,  prognoseverbessernde Therapie anbieten.

Wie wollen Sie die Behandlung weiter verbessern?
Seit kurzem erforschen wir unter Dresdner Leitung einen neuen Behandlungsansatz zur Bekämpfung ausgeschwemmter Tumorzellen. Die von uns initiierte Substudie testet den Einsatz des „knochenstärkenden“ Antikörpers Denosumab. Der Vorteil des Medikamentes ist, dass wir es bei sehr guter Verträglichkeit lediglich alle vier Wochen unter die Haut spritzen nicht in Tablettenform oder als Infusion über die Vene verabreichen müssen. Die in die Studie eingeschlossenen Patientinnen erhalten bei Diagnosestellung – vor Beginn einer 24-wöchigen neoadjuvanten, das bedeutet vor einer Operation verabreichten Chemotherapie – eine Knochenmarkspunktion, in deren Anschluss die Hälfte der Patientinnen Denosumab bekommt. Patientinnen, bei denen disseminierte Tumorzellen bereits nachgewiesen wurden, bieten wir nach der Chemotherapie im Rahmen der Brust-Operation eine erneute Knochenmarkspunktion an. In dieser weltweit einzigartigen Untersuchung prüfen wir, ob nach nur 24-wöchiger Denosumab-Therapie diese Zellen eliminiert werden können. Ich bin sehr optimistisch, dass wir hier gute Ergebnisse sehen werden und den betroffenen Frauen eine noch besser verträgliche Therapie als bisher anbieten können. Die Untersuchung ist Teil einer großangelegten GBG-Studie mit Namen GeparX zur Erforschung des Medikaments Denosumab in der Brustkrebs-Behandlung.

Wieviele Patientinnen nehmen an dieser Studie teil?
Geplant ist, dass an dieser multizentrischen Studie insgesamt 800 Brustkrebspatientinnen teilnehmen, darunter sollen 75 im Universitätsklinikum Dresden behandelte Frauen sein.