vom 06.07.2016

Studie zur Behandlung von fortgeschrittenem Dickdarmkrebs am NCT gestartet

Tumoren sind abhängig von einem mitwachsenden Blutgefäßnetz. Über diese Gefäße erhalten die Krebszellen Sauerstoff und Nährstoffe. Ein neuer Therapieansatz soll bei Dickdarmkrebs dafür sorgen, dass der Tumor vom Blutgefäßnetz abgeschnitten wird. Erstmals wird hierfür eine orale Immuntherapie in einer Phase-2a-Studie bei maximal 24 Patienten mit fortgeschrittenem Dickdarmkrebs erprobt. Die klinische Studie erfolgt am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg. Teilnehmen können Patienten mit inoperablem Dickdarmkrebs und Lebermetastasen, bei denen ein oder zwei vorangegangene Therapien versagt haben. Die Patienten müssen für den Dauer der Behandlungen in der Region Heidelberg bleiben.

Das NCT Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe.

Anfragen zu dieser Studie nimmt das Patientenzentrum „Medizinische Onkologie“ am NCT per Mail entgegen: nct.patientenzentrum@med.uni-heidelberg.de, Studienleitung: PD. Dr. Carsten Grüllich
An der Studie teilnehmen können nur Patienten, die den Kriterien zur Aufnahme in die Studie entsprechen. Über den Studieneinschluss entscheidet der Studienarzt.

Blutgefäße versorgen den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffe. Solange ein Tumor kleiner als 1 bis 2 Millimeter ist, kann er Sauerstoff und Nährstoffe aus dem umliegenden Gewebe nutzen. Mit zunehmendem Wachstum kommt es zu einem Versorgungsengpass für die Krebszellen. Der Tumor gibt nun vermehrt Wachstumsfaktoren ab, die ihrer Umgebung signalisieren neue Blutgefäße auszubilden. Ein solcher Wachstumsfaktor bindet auch an das Oberflächenweiß mit dem Namen VEGFR-2 auf Blutgefäßzellen. Forscher haben herausgefunden, dass VEGFR-2 auf den Gefäßen im Tumor in größerer Menge zu finden ist, als in gesundem Gewebe.

Das schweizerisch-deutsche Biotechnologie-Unternehmen VAXIMM hat eine Schluckimpfung unter der Bezeichnung „VXM01“ entwickelt. Der Impfstoff soll Immunzellen der Patienten gegen das Oberflächeneiweiß VEGFR-2 aktivieren. Die neue orale Therapie ist derzeit noch nicht zugelassen und befindet sich in der klinischen Prüfung. Zur Herstellung wird die genetische Information für VEGFR-2 in abgeschwächte Bakterien verpackt. Patienten nehmen den Wirkstoff in flüssiger Form ein. Wissenschaftler und Ärzte erhoffen sich, dass anschließend T-Zellen in den Lymphknoten des Dünndarms auf VEGFR-2 geprägt werden. Sie sollen Gefäßzellen im Tumor, die das Eiweiß tragen, als feindlich erkennen und vernichten. Dadurch soll der Tumor schlechter mit Blut versorgt werden und langsamer wachsen. Darüber hinaus hofft man, dass Immunzellen verstärkt ins Tumorgewebe einwandern.

Erste klinische Erfahrungen mit der Schluckimpfung VXM01 gibt es bei einer anderen Krebsart: 72 Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs haben die Schluckimpfung in einer Phase-1-Studie am Universitätsklinikum Heidelberg gut vertragen. Die körpereigene Krebsabwehr konnte bei einem Teil der Patienten in gewünschter Weise aktiviert bzw. verstärkt werden.
“Nach den Ergebnissen der Schluckimpfung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs, möchten wir diese Therapieoption nun auch bei Patienten mit fortgeschrittenem Dickdarmkrebs erproben”, sagt PD Dr. Carsten Grüllich, Arzt und Wissenschaftler am NCT Heidelberg. An der aktuellen Studie können bis maximal 24 Patienten mit inoperablem Dickdarmkrebs und Lebermetastasen teilnehmen, deren Erkrankung trotz ein oder zwei vorausgegangener Therapien fortgeschritten ist. Patienten, die diese Auswahlkriterien erfüllen, erhalten zusätzlich zur Chemotherapie am Anfang der Behandlung viermal die Schluckimpfung als Trinklösung. Alle vier Wochen schließt sich eine Auffrischschluckimpfung an.

Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Friederike Fellenberg
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel.: +49 6221 56-5930
Fax: +49 6221 56-5350
E-Mail: friederike.fellenberg@nct-heidelberg.de
preview.nct-heidelberg.de

Dr. Stefanie Seltmann
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Tel.: +49 6221 42-2854
Fax: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de
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Doris Rübsam-Brodkorb
Universitätsklinikum Heidelberg und Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
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Fax: +49 6221 56-4544
E-Mail: doris.ruebsam-brodkorb@med.uni-heidelberg.de
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Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier besprechen Ärzte und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen das Vorgehen im individuellen Fall. Jeder Patient erhält einen persönlichen Therapieplan, den die Expertenrunde, in den sogenannten Tumorboards, zeitnah erstellt. In klinischen Studien erproben Ärzte des NCT neue Therapien und eröffnen damit auch Patienten mit schwer kontrollierbaren Tumoren eine Chance. Das NCT arbeitet mit Selbsthilfegruppen zusammen und unterstützt diese in ihrer Arbeit. In Dresden wird seit Beginn des Jahres 2015 ein Partnerstandort des NCT aufgebaut.

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.