vom 04.08.2020

Netzwerk OnkoAktiv für MSD Gesundheitspreis nominiert

Das Netzwerk OnkoAktiv verfolgt das Ziel, nationale Versorgungsstrukturen aufzubauen, innerhalb derer jedem Krebspatienten der Zugang zu einem qualifizierten, onkologischen Bewegungsangebot ermöglicht wird. Dafür integriert das Netzwerk qualitätsgeprüfte Trainingsinstitutionen und vernetzt relevante Stakeholder transparent auf einer Plattform. OnkoAktiv kooperiert seit 2012 mit regionalen Trainingsinstitutionen, von denen bis heute 54 zertifiziert werden konnten.

Geben Sie OnkoAktiv Ihre Stimme für den Publikumspreis: https://publikumspreis-2020.msd.de/projekt/stark-aktiv-gegen-krebs/

Herr Dr. Wiskemann, Sie haben sich für den MSD Gesundheitspreis mit dem Projekt OnkoAktiv beworben.  Was hat Sie dazu bewegt, das Projekt zu gründen?
JW: Der Umgang mit der Erkrankung Krebs hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Während es früher für viele Patienten bedeutete, nur noch wenige Lebensjahre oder gar Monate zu haben, können heute viele Menschen mit der Erkrankung leben. Sport und Bewegung kann dabei wesentlich zum Therapieerfolg beitragen und auch die Nebenwirkungen einer Therapie reduzieren [1]. Wir sprechen heute sogar schon vom „Medikament Sport“. Allerdings sind die Versorgungsstrukturen in Deutschland noch nicht so gut ausgebaut und nicht jeder Patient kann von einer Bewegungstherapie profitieren. Mit OnkoAktiv möchten wir zu einer besseren Vernetzung beitragen und Bewegungstherapie damit für alle Krebspatienten zugänglich machen. Und wir sehen, dass es funktioniert: Ich freue mich ganz besonders, dass viele kleinere Krebszentren auf uns zukommen, unsere Beratung anfragen und unser Konzept anwenden möchten.

Was haben Sie im Laufe der letzten Jahre in der Steuerung des Projektes gelernt?  
JW: Dass Prozesse stets angepasst werden müssen und alle Netzwerkmitglieder unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Einer unserer ersten Netzwerkpartner war ein kleines Krebszentrum in Bayern, für welches das Thema Sport und Krebs ein ganz neues war. Hier mussten wir zunächst die Infrastrukturen schaffen und Wissen vermitteln – erst hinterher ging es um die therapeutischen Inhalte. Am Nationalen Tumorzentrum hier in Heidelberg sind wir mit gut ausgebildeten Therapeuten und optimalen Räumen sehr privilegiert. Wir können aber nicht davon ausgehen, dass alle Partner über solche Voraussetzungen verfügen. Wir benötigen viel Flexibilität, um individuelle Lösungen zu schaffen.

Was sind Ihre größten Herausforderungen?
JW: Obwohl zahlreiche Studien den Erfolg von Bewegungstherapie belegen, ist sie noch keine Leistung, die von der Krankenkasse übernommen wird. Daher bewegen wir uns hier in einem Spannungsfeld: Einerseits sehen wir den Bedarf und den Erfolg, andererseits fehlen finanzielle Mittel. Das macht es schwierig, das Konzept zu verbreiten. Jedoch haben wir es nun geschafft, dass eine S3-Leitlinie für die Bewegungstherapie entwickelt wird – sie also als offizielle Therapie angesehen wird. Damit erhöht sich auch der Druck auf die Krankenhäuser, ihre Kompetenz in diesem Feld zu erweitern. Auch eine solche Entwicklung ist für uns und unsere Motivation ein Meilenstein.

Referenzen
[1] Campbell, K. L., Winters-Stone, K. M., Wiskemann, J. et al. (2019). Exercise Guidelines for Cancer Survivors: Consensus Statement from International Multidisciplinary Roundtable. Medicine and science in sports and exercise, 51 (11), 2375–2390.