vom 15.10.2018

Brustkrebsmonat Oktober – Drei Fragen an…Dr. Imad Maatouk, Leiter der psychoonkologischen Ambulanz am NCT Heidelberg

Der Brustkrebsmonat Oktober möchte das Thema Brustkrebs in das öffentliche Bewusstsein rücken. Eine Tumorerkrankung erzeugt bei Patienten und Patientinnen aber auch Angehörigen häufig Angst und Sorgen. Zudem stellen sich viele Fragen, die Therapie, Bewältigung der Krankheit oder auch neue Forschungsansätze betreffen. Anlässlich des Brustkrebsmonats Oktober haben verschiedene Experten drei Fragen rund um das Thema Brustkrebs auf den Webseiten und Social Media Kanälen von NCT Heidelberg, Universitätsklinikums Heidelberg, dem Deutschen Krebskonsortium (DKTK) und dem DKFZ beantwortet.

Dr. med. Imad Maatouk ist Facharzt für Innere Medizin und leitet die psychologische Ambulanz am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. Als Psychoonkologe begleiten er und uns sein Team Patienten in allen Stadien einer Krebserkrankung.

Braucht jeder Patient psychoonkologische Hilfe?
Eine Krebserkrankung und deren Behandlung bedeuten für die Betroffenen einen schweren Einschnitt in das bisherige Leben. Jede Patientin profitiert von einer generellen Information zu psychosozialen Angeboten. Ob und in welchem Ausmaß diese in Anspruch genommen werden sollten, ist unterschiedlich. Häufige Symptome nach einer Krebstherapie sind Angst und depressive Symptome wie Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder Unruhe. Oftmals tritt, auch lange nach Abschluss der Therapie, die sogenannte Progredienzangst oder auch Rezidivangst auf, also die Angst vor einer Wiedererkrankung. Bis zu 60 Prozent der Patienten sind davon in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Wenn Patienten und/oder Angehörige sich stark belastet fühlen, Ängste ihren Alltag beherrschen oder sie sich mit der Situation überfordert fühlen ist es sinnvoll professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

In der Bevölkerung hält sich hartnäckig der Glaube, dass Krebs auch durch psychische Belastungen bedingt sein kann. Ist da was dran?
In einer Umfrage des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stimmten 61 Prozent der Aussage zu, dass seelische Belastungen und Stress Krebs auslösen können.  Die Vorstellung, dass man aufgrund seiner Persönlichkeitsmerkmale, durch Stress am Arbeitsplatz oder weil man einen nahestehenden Menschen verloren hat, an Krebs erkrankt, ist allerdings wissenschaftlich nicht haltbar. Ob jemand Krebs bekommt, hängt vielmehr von unterschiedlichen Faktoren ab: von genetischen Einflüssen, von Verhaltensrisiken – wie dem Rauchen – und vom Zufall.

Wie kann mir die Psychoonkologie helfen?
Die psychoonkologischen Angebote richten sich sowohl an Betroffene und Angehörige. Es geht darum die Patientin zu beraten und bei der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen. Konkret können das Einzel-, Gruppen- oder Familiengespräche sein. Unterstützt werden Patienten und Angehörige auch durch die Vermittlung zu weiteren Beratungsdiensten, Selbsthilfegruppen oder spezifischen Angeboten, beispielsweise für Kinder krebserkrankter Eltern. Eine psychoonkologische Begleitung kann helfen, belastende Gefühle, Sorgen und Ängste zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhöhen.

Kontakt

Psychoonkologie am NCT Heidelberg
E-Mail: psychoonkologie@nct-heidelberg.de
Tel.: 06221 56-4727

Zu wohnortnahen Angeboten in Deutschland informiert auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums kostenlos per Telefon, E-Mail oder im Internet:
Tel.: 0800 – 420 30 40, jeden Tag von 8–20 Uhr, Anruf kostenlos
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de
www.krebsinformationsdienst.de