vom 01.03.2017

ATACC-Studie zur Behandlung von fortgeschrittenem Kolorektalkarzinom

Das körpereigene Immunsystem erkennt und bekämpft effizient körperfremde Krankheitserreger. Auch Mutationen der eigenen Zellen können in der Regel beseitigt werden, wenn die mutierte Zelle durch zytotoxische T-Zellen erkannt wird. Diese Abwehrreaktion wird jedoch immer auch gebremst, um einen Angriff des Immunsystems auf den eigenen Körper zu vermeiden. Damit soll ein Autoimmunangriff auf den eigenen Körper verhindert werden. Diesen Mechanismus machen sich Krebszellen zu Nutze, um dem Immunsystem zu entkommen. Sogenannte regulatorische T-Zellen können verhindern, dass tumorspezifische T-Zellen aktiviert werden und die Krebszellen vernichten.

ATACC-Studie
Viele Patienten mit kolorektalen Karzinomen weisen eine hohe Anzahl tumorspezifischer zytotoxischer T-Zellen in ihrem Blut auf. Wurden diese aktiviert, können sie körpereigene Tumorzellen erkennen und vernichten. Häufig werden die zytotoxischen T-Zellen der Tumorpatienten insbesondere durch regulatorische T-Zellen ausgebremst.

Das Behandlungsverfahren, das in der sogenannten ATACC-Studie überprüft werden soll, will die natürliche Regulierung des Immunsystems umgehen und die körpereigenen Abwehrkräfte gegen den Tumor stärken. Außerhalb des Körpers, also „ex vivo“, werden zytotoxische T-Zellen aktiviert und den Patientinnen und  Patienten wieder zurückgegeben. Dafür werden mittels einer Leukapherese („Blutwäsche“) zunächst weiße Blutkörperchen aus dem Blut des Patienten gewonnen und anschließend von den regulatorischen T-Zellen getrennt. Übrig bleibt eine hohe Anzahl von tumorspezifischen zytotoxischen T-Zellen und T-Helferzellen. Letztere werden mit dem Eiweiß p53 beladen. p53 ist ein Protein, das bei vielen kolorektalen Karzinomen in erhöhter Menge auftritt und von tumorspezifischen T- Gedächtniszellen erkannt wird. Die zytotoxischen T-Zellen werden durch die T-Gedächtniszellen außerhalb des Körpers, also „ex vivo“, aktiviert und anschließend dem Patienten reinfundiert. Solchermaßen tumorspezifisch reaktivierte T-Zellen von Tumorpatienten können nach Reinfusion körpereigene Tumoren effizient bekämpfen.
In einer Pilotstudie an 16 Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom wurden die Machbarkeit, Sicherheit und erste Hinweise auf klinische Wirksamkeit dieses Therapieverfahrens belegt [1, 2].

Einschlusskriterien der Studie
An der Studie können nur Patienten teilnehmen, die allen Kriterien zur Aufnahme in die Studie entsprechen. Die wichtigsten Einschlusskriterien sind:
•    histologisch gesichertes kolorektales Karzinom Stadium IV (UICC) mit nicht-resektablem Primärtumor und/oder Metastasen
•    Situation nach mindestens vier Zyklen palliativer Behandlung mit FOLFOX, FOLFIRI oder FOLFIRINOX in Kombination mit Bevacizumab oder Cetuximab/Panitumumab:
•    stabile Erkrankung (partielle oder komplette Remission lt. Routine-Bildgebung)
•    weiterhin nicht-resektabler Primärtumor und/oder Metastasen

Über den Studieneinschluss entscheidet der Studienarzt. Das Recht auf eine Teilnahme besteht nicht.
Teilnehmer der Studie werden an mehreren Terminen während eines Zeitraumes von zwei Monaten am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg sowie der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Chirurgischen Klinik der Universität Heidelberg behandelt und beobachtet. Die therapeutischen Zellen werden im GMP Labor für Zelluläre Therapie des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) generiert. Die Studie wird von der Dietmar-Hopp-Stiftung gefördert.

ClinicalTrials.gov Identifier: NCT02577588

Kontakt
Fragen zu dieser Studie können Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen oder Informationen per Mail beim Patientenzentrum am NCT anfordern: nct.patientenzentrum@med.uni-heidelberg.de (Studienleitung: PD. Dr. Carsten Grüllich und Prof. Dr. Alexis Ulrich).

Literatur
1. Schuetz F, Ehlert K, Ge Y, Schneeweiss A, Rom J, Inzkirweli N, et al. Treatment of advanced metastasized breast cancer with bone marrow-derived tumour-reactive memory T cells: a pilot clinical study. Cancer immunology, immunotherapy : CII. 2009;58(6):887-900. doi: 10.1007/s00262-008-0605-3.

2. Domschke C, Ge Y, Bernhardt I, Schott S, Keim S, Juenger S, et al. Long-term survival after adoptive bone marrow T cell therapy of advanced metastasized breast cancer: follow-up analysis of a clinical pilot trial. Cancer immunology, immunotherapy : CII. 2013. doi: 10.1007/s00262-013-1414-x.