Bewegung & Krebs

Allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation

Effekte eines behandlungsphasenübergreifenden körperlichen Trainingsprogramms für Patienten vor, während und nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation

In Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI), Mannheim, der Sektion Stammzelltransplantation  (Innere Medizin V) und dem Institut für Sport und Sportwissenschaft (beide Universität Heidelberg); sowie der Deutschen Klinik für Diagnostik, Knochenmarktransplantation, Wiesbaden

Studienleitung:
Prof. Dr. Martin Bohus

Co-Studienleitung:
Prof. Dr. Peter Dreger, PD Dr. Rainer Schwerdtfeger, PD Dr. Joachim Wiskemann


Kurzbeschreibung

Das Ziel dieser multizentrischen randomisierten kontrollierten klinischen Studie war es, die Durchführbarkeit und Wirksamkeit eines teilweise eigenverantwortlichen körperlichen Trainings vor, während und nach einer allogenen hämatopoetischen Stammzellentransplantation (HSCT) zu untersuchen. Dieses Forschungsprojekt wurde von Mai 2007 bis Dezember 2008 durchgeführt, wobei 112 Patienten rekrutiert wurden. Alle Teilnehmer füllten standardisierte Fragebögen zur Lebensqualität, Fatigue, Depression, Angst und Krankheitsverarbeitung aus. Zusätzlich wurde körperliche Leistungsfähigkeit (Ausdauer- und Kraftleistungsfähigkeit) und das körperliche Aktivitätsniveau mit Hilfe von Schrittzählern erfasst.

Die Datenerhebung wurde zum Zeitpunkt der ersten vorbereitenden Untersuchungen zur Transplantation, bei Aufnahme und Entlassung und 6-8 Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus durchgeführt. Alle Patienten der Trainingsgruppe führten in den ambulanten Phasen vor und nach dem Krankenhausaufenthalt 5x/Woche ein individualisiertes körperliches Training (3x/ Woche Ausdauer und 2x/ Woche Krafttraining) im häuslichen Kontext mit Hilfe von Trainingsmanualen und Trainings-DVDs durch. 1x pro Woche wurden die Patienten dabei von einem Trainer telefonisch kontaktiert.  Während des stationären Aufenthaltes trainierten die Patienten 2x/Woche mit Unterstützung eines Therapeuten und führten an drei weiteren Tagen das Training selbständig durch.  Die Patienten in der Kontrollgruppe erhielten denselben sozialen Kontakt und bekamen einen Schrittzähler sowie die Empfehlung, während ihrer Behandlungszeit möglichst körperlich aktiv zu sein.

Die Analyse der Studiendaten zeigte, dass das teilweise eigenverantwortliche Trainingsprogramm vor, während und nach allogener Stammzelltransplantation ohne unerwartete Nebenwirkungen durchführbar war  und zudem positive Effekte für die körperlich trainierenden Patienten zeigte. So konnte die Ausdauerleistung trotz der schwerwiegenden medizinischen Behandlung in der Trainingsgruppe halten werden, während die Kontrollgruppe um 15% schwächer geworden war. Ähnliche Effekte konnten für die Kraftleistungsfähigkeit gefunden werden. Ein bedeutender Effekt zeigte sich zudem mit Blick auf die Fatiguesymptomatik. Bei den Patienten in der Sportgruppe war diese zum Abschluss der Studie um 15 % geringer ausgeprägt. Im Gegensatz dazu war die Fatigue in der Kontrollgruppe um 28% erhöht. Ebenfalls wirkte sich das Training positiv auf das subjektive Stressempfinden und die körperliche Funktionsfähigkeit aus.

Publikationen zur Studie

Wiskemann J, Dreger P, Schwerdtfeger R, Bondong A, Huber G, Kleindienst N, Ulrich CM, Bohus M (2011). Effects of a partly self-administered exercise program before, during, and after allogeneic stem cell transplantation. Blood, 117(9):2604-2613.

Poster/Präsentationen/Abstracts

Wiskemann J, Huber G (2008). Psychophysische Konstitution von Patienten im Verlauf der hämatopoietischen Stammzelltransplantation: Ansatzpunkte für die Sport- und Bewegungstherapie. In M. Knoll & A. Woll (Hrsg.), Sport und Gesundheit in der Lebensspanne. Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft 174: 355-361. Hamburg: Czwalina.

Wiskemann J, Bohus M (2009). Effekte eines Kraft- und Ausdauertrainings (KAT) auf die körperliche Leistungsfähigkeit und den Fatiguestatus bei Patienten im Kontext der allogenen hämatopoietischen Stammzelltransplantation. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 60 (7-8): 196.

Wiskemann J, Dreger P, Schwerdtfeger R, Bondong A, Bohus M (2009). Physical Exercise as adjuvant therapy for patients before, during and after allogeneic stem cell transplantation. Onkologie 32 (suppl 4): 151.

Kontakt

PD Dr. Joachim Wiskemann
Tel.: 06221 56-5904
E-Mail: joachim.wiskemann@nct-heidelberg.de