Bewegung & Krebs

PIC-Studie

Prävention Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie durch körperliches Training

Studienleitung:
PD Dr. Joachim Wiskemann

Co-Studienleitung:
Prof. Dr. Andreas Schneeweis, Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Prof. Dr. Wolfgang Wick, Prof. Dr. Michael Thomas, Prof. Dr. Dirk Jäger, Prof. Dr. Karen Steindorf

Kurzbeschreibung

Die Chemotherapie stellt eine wichtige Säule der Krebsbehandlung dar, kann jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, wie z.B. zur chemotherapie-induzierten Polyneuropathie (CIPN). Die Ursache der CIPN ist eine Schädigung der Nervenzellen, die vor allem die sensible Wahrnehmung beeinträchtigt, was sich neben Gefühlen wie Taubheit, Brennen, Kribbeln und Schmerzen in Händen und/oder Füßen auch in Stand- und Gangunsicherheiten auswirken kann. Diese Symptome und funktionellen Einschränkungen können massive Auswirkungen auf die Aktivitäten des alltäglichen Lebens und damit auch auf die Lebensqualität der Betroffenen haben. Darüber hinaus sind die CIPN-Symptome während der Antitumortherapie häufig für eine reduzierte Therapiecompliance verantwortlich, was wiederrum mit verringerten Heilungschancen einhergeht. Aus diesen Gründen ist es dringend notwendig geeignete Präventionsmaßnahmen zu erforschen.

 

Daten bisheriger Studien zeigen, dass gezielte körperliche Aktivität bestehende CIPN-Symptome reduzieren und möglicherweise die Lebensqualität betroffener Patienten verbessern kann. Eine publizierte Studie mit Diabetes Typ II Patienten konnte sogar einen präventiven Effekt auf die Entstehung der diabetischen Polyneuropathie nachweisen. Die Übertragung auf den onkologischen Kontext steht bislang noch aus und soll mit der PIC-Studie (Prävention Chemotherapie-bedingter Polyneuropathie durch körperliches Training) adressiert werden.

Die PIC Studie ist eine randomisiert kontrollierte Sport-Interventionsstudie, die den präventiven Effekt eines Sensomotorik- bzw. Krafttrainings während Chemotherapie auf die Entstehung der CIPN untersucht. Insgesamt sollen im Zeitraum von zwei Jahren 300 Patienten vor Beginn ihrer (neurotoxischen) Chemotherapie einer der beiden genannten Interventionsgruppen oder einer Wartekontrollgruppe randomisiert zugewiesen werden.

Sowohl das Sensomotoriktraining als auch das Krafttraining finden 2x/Woche für 45 Minuten während des Zeitraums der Chemotherapie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) statt. Alternativ können die Patienten das Sensomotoriktraining zu Hause und das Krafttraining bei einem unserer wohnortnahen Kooperationspartner über das Netzwerk OnkoAktiv durchführen. Der Trainingszeitraum der  Interventionsgruppen orientiert sich an der Länge der jeweiligen Chemotherapie beträgt jedoch maximal 24 Wochen. Die Wartekontrollgruppe erhält nach Abschluss der Chemotherapie die Möglichkeit ebenfalls das Studientraining zu absolvieren.

Ob das Auftreten einer CIPN unter Chemotherapie durch gezielte körperliche Aktivität verhindert werden kann und welches Training (Sensomotorik- oder Krafttraining) dafür besser geeignet ist, wird primär über die Total Neuropathy Scale (TNS) erfasst. Darüber hinaus werden die subjektiven CIPN-Symptome mittels Fragebögen erhoben und das Gleichgewicht untersucht. Weitere Endpunkte sind die Kraft- und Ausdauerleistungsfähigkeit sowie die Schlafqualität und Chemotherapiecompliance. Alle Endpunkte werden jeweils vor Beginn der Chemotherapie und nach Abschluss des Interventionszeitraumes erhoben. Weiterhin sind zwei Follow-up Messungen 3 und 6 Monate nach Abschluss des Interventionszeitraumes geplant. Falls die Intervention(en) wirksam sind, so leistet diese Studie einen wichtigen Beitrag zur Generierung geeigneter Präventionsmaßnahmen für die CIPN.

Aktueller Stand

Die Rekrutierungsphase soll im März 2016 starten und binnen 2 Jahren abgeschlossen sein.

Kontakt

Jana Müller
Tel.: 06221 56-35149
E-Mail: jana.mueller@nct-heidelberg.de

Christine Boos
Tel.: 06221 56-35994
E-Mail: christine.boos@nct-heidelberg.de

Auf einen Blick

  • Studienziel: Prävention der chemotherapie-induzierten Polyneuropathie
  • 3-armiges Studiendesign mit randomisierter Zuordnung: Sensomotoriktraining, Krafttraining, Wartekontrollgruppe
  • Studientraining: 2x/Woche über den gesamten Zeitraum der Chemotherapie, maximal jedoch für 24 Wochen
  • Studienpatienten: Patienten (≥ 18 Jahre), die aufgrund ihrer onkologischen Erkrankung eine Chemotherapie mit mindestens einer der folgenden neurotoxischen Zytostatika erhalten: Platinderivate (z.B. Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin), Vinca Alkaloide (z.B. Vincristine), Taxane (z.B. Paclitaxel, Docetaxel), Suramin, Thalidomide, Lenalidomide oder Bortezomib